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Shark Info 4 / 00   (15.12.2000)

Author

  Intro:

Freitauchen mit Grosshaien

Shark Info

  Hauptartikel:

Freitauchen mit Grosshaien - Unfug oder Notwendigkeit?

Dr. E. K. Ritter

  Artikel 1:

Die Liste bedrohter Haiarten: Wie hilfreich ist sie wirklich?

Shark Info

  Artikel 2:

Initiative zum Verbot von Haifüttern in Florida abgelehnt

Richard Finkus

  Artikel 3:

Gesetz gegen Finning in US-Gewässern vom amerikanischen Senat verabschiedet

Shark Info

  Fact Sheet:

Riesenhaie

Dr. E. K. Ritter


Fact Sheet: Riesenhaie

C. maximus

Ein Riesenhai (Cetorhinus maximus). die stark bedrohte, zweitgrösste Haiart.

© J. Stafford-Deitsch

Viele Aspekte der Biologie der Riesenhaie sind noch absolut unbekannt. Unklar ist immer noch, wo sich die Tiere in der kalten Jahreszeit aufhalten und auch ihr Reusenapparat gibt Wissenschaftlern Rätsel auf, denn die Riesenhaie können diese Filterstruktur im Maul, die Kleinstlebewesen aus dem Wasser siebt, offensichtlich abwerfen und erneuern.

Die Biologie des Riesenhais (Cetorhinus maximus)

Äusseres Erscheinungsbild

Die wichtigsten Merkmale sind die riesigen Kiemenschlitze, die den Kopf nahezu umkreisen, zusammen mit einer spitz zulaufenden Schnauze. Weitere gute Erkennungsmerkmale sind der halbmondförmige Schwanz und die gut ausgebildeten Kiele auf dem Schwanzstiel.

Grösse und Alter

Die maximale Grösse dieser Tiere liegt bei ca. 10 m, Berichte über grössere Exemplare dieser Art konnten bis anhin nicht bestätigt werden. Das maximale Alter dieser Tiere ist unbekannt. Bestrebungen sind im Gang, dies anhand der Anzahl der Wirbelringe (ähnlich dem Wachstum von Baumstämmen) im Vergleich zu Tiergrössen bekannter Populationen zu bestimmen.

Ernährung

Riesenhaie gehören zu den wenigen Planktonfressern unten den Haien. Neben ihnen sind es nur noch die Walhaie (Rhincodon typus, Fact Sheet Shark Info 3/00) und die Riesenmaulhaie (Megachasma pelagios, Fact Sheet Shark Info 1/99), die sich bevorzugt von diesen Kleinstlebewesen ernähren. Von anderen Arten, wie beispielsweise den Blauhaien (Prionace glauca) ist bekannt, dass sie ebenfalls in der Kiemenregion über die notwendige Struktur verfügen, Wasser zu sieben und entsprechend Plankton (Krill) als Nahrungsgrundlage zu verwerten, doch tun sie dies nur in seltenen Fällen. Bei dieser Struktur handelt es sich bei Riesenhaien um Kiemenreusen. Dies ist der Hauptgrund, weshalb Riesenhaie nahezu permanent mit weit geöffnetem Maul durchs Wasser schwimmen. Im Unterschied zu den Walhaien handelt es sich bei Riesenhaien um passive Filtrierer, was bedeutet, dass sie das Wasser nicht aktiv einsaugen, sondern es einströmen lassen.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung dieser Art ist relativ schlecht erforscht. Wie auch andere Vertreter derselben Gruppe (Weisse Haie, Heringshaie, Fuchshaie und andere) sind auch sie lebendgebärend, doch sind die Embryonen nicht mit einer Plazenta mit dem Muttertier verbunden. Die embryonale Ernährung geschieht vorwiegend durch das Fressen von Eiern, die die Mutter produziert (Oophagie, Fressen von Eiern). Die Geburtsgrösse liegt bei ungefähr 1.7 m. Diese Art scheint Gruppenpaarungen durchzuführen, wobei das Geschlechtsverhältnis bei Zählungen auf der Seite der Weibchen lag. Riesenhaie haben möglicherweise die längste Schwangerschaft unter den Haien.

Verbreitung

Die Art bevorzugt kühle und gemässigte Gewässer und ist nahezu weltweit verbreitet, wobei sie auf Kontinentalsockel Regionen beschränkt scheint. Man findet sie sowohl in unmittelbarer Ufernähe als auch im offenen Wasser. Die Tiere scheinen Migrationen (Wanderungen) zu unternehmen und tauchen periodisch an gewissen Orten auf. Riesenhaie findet man auf der nördlichen Halbkugel vor China, Korea und um Japan herum, an der Ostküste der USA, von Neufundland bis hinunter nach Florida, um Grossbritannien und Norwegen, aber auch im Mittelmeer. Auf der südlichen Halbkugel sind sie primär in Südaustralien, Teilen von Südamerika und an der Spitze von Südafrika zu finden.

Verhalten

Riesenhaie wandern meist in Gruppen, entsprechend fressen sie auch zusammen. Fressverhalten und Wanderungen scheinen mit den Planktonblüten zusammenzuhängen, wobei vermutet wird, dass sich die Tiere periodisch, wenn kein Plankton vorhanden ist, in tiefere Regionen zurückziehen und ihre Reusenapparate abwerfen. Entsprechend dieser Hypothese werden die Reusenapparate dann bis zur nächsten Planktonblüte regeneriert. Bedingt durch die Fetteinlagerung in ihrer riesigen Leber, könnten sie die Zeit ohne Plankton problemlos überstehen. Anderen Hypothesen zufolge fasten die Tiere während der planktonarmen Zeit nicht, sondern ernähren sich, ohne ihren Reusenapparat, von bodenlebenden Organismen. Es muss noch einige Forschungsarbeit geleistet werden, bis diese Vorgänge wirklich verstanden sind.

Zusammentreffen mit Menschen

Riesenhaie sind harmlos. Bedingt durch die riesige Leber wurden die Tiere früher wegen dem hohen Gehalt an Vitamin A gejagt, daneben wurde das Leberöl auch als Lampenöl verwendet. Bedingt durch die sehr geringe Fortpflanzungsrate und den starken Fischereidruck gehören diese Tiere heute zu den bedrohten Haiarten (IUCN: endangered).

Mythologie

Riesenhaie (engl. Basking shark) waren die Grundlage für die Seeungeheuer. Bedingt durch ihre Schwimmweise direkt an der Oberfläche ("basking": sich sonnen) und das oftmals direkte Hintereinanderschwimmen, durchbricht die Rückenflosse und der oberste Teil der Schwanzflosse die Wasseroberfläche. Schwimmen nun mehrere Tiere hintereinander kann es durchaus den Anschein machen, dass es sich um ein einziges riesiges Tier handelt.

Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info / Dr. Erich K. Ritter



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modifiziert: 04.06.2016 10:48