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Shark Info 4 / 00   (15.12.2000)

Author

  Intro:

Freitauchen mit Grosshaien

Shark Info

  Hauptartikel:

Freitauchen mit Grosshaien - Unfug oder Notwendigkeit?

Dr. E. K. Ritter

  Artikel 1:

Die Liste bedrohter Haiarten: Wie hilfreich ist sie wirklich?

Shark Info

  Artikel 2:

Initiative zum Verbot von Haifüttern in Florida abgelehnt

Richard Finkus

  Artikel 3:

Gesetz gegen Finning in US-Gewässern vom amerikanischen Senat verabschiedet

Shark Info

  Fact Sheet:

Riesenhaie

Dr. E. K. Ritter


Initiative zum Verbot von Haifüttern in Florida abgelehnt

Von Richard Finkus

Haitauchen

Tauchen mit Haien ist ungefählich, solange man die Regeln beachtet.

© Hai-Stiftung

Einleitung

Kontroversen zwischen Befürwortern und Gegnern von Haifütterungen existieren seit diese Form der Tauchausflüge vor mehr als 30 Jahren ins Leben gerufen wurde. Die einen sehen darin eine Erhöhung der Gefahr für Menschen. Die Haie würden konditioniert (siehe Kasten) und assoziierten entsprechend Futter mit Menschen. Sollte ein Mensch kein Futter für sie bei sich haben, würden sie aus Aggression zubeissen (eine sehr antropomorphe Argumentation). Die Befürworter von Haifütterungen hingegen sehen darin ein hilfreiches Werkzeug zum besseren Verständnis und einen wichtigen Weg, diese Tiere dem Sporttaucher näherzubringen. Befürworter und Wissenschafter sind sich jedoch einig, dass interaktives Haitauchen strukturiert, nach Richtlinien durchgeführt und gewisse Fütterungstechniken, wie Hand oder Stockfütterungen, verboten werden sollten. Ein Regierungsbeschluss sollte nun in Florida - dem Land mit den weltweit meisten Haiunfällen - die Sache gesetzlich regeln.

Die «Florida Fish & Wildlife Conservation Commission» (FWCC), die Tierschutz- Regierungsstelle in Florida, hat am 8. September 2000 den Antrag abgelehnt, dass Haie und andere marine Lebewesen in Florida nicht mehr gefüttert werden dürfen, jedoch gleichzeitig verlauten lassen, dass Richtlinien erarbeitet werden, um solche Fütterungen strukturierter durchführen zu können. Weitere Vorstösse zur Durchsetzung der Initiative auf kommunaler Ebene scheiterten ebenfalls.

Entstehen der Initiative

Im September 1999 startete der «South Florida Spearfishing Club» unter der Leitung von Steve Pacardi und Dave Earp eine Kampagne zur Abschaffung des Fütterns von Haien und anderen marinen Lebewesen in floridianischen Gewässern. Diese Fütterungen würden Haie konditionieren und folglich Unfälle nach sich ziehen. Flugblätter wurden verteilt und, um die notwendigen Stimmen zu sammeln, Unterschriftenbögen an verschiedenen Orten aufgelegt. Wie immer, wenn Haie im Zentrum des Interesses stehen und ihr schlechtes Image ausgenutzt wird, wurde auch hier nicht versäumt, die Haie als dumme, primitive Räuber darzustellen. So waren auf diesen Flugblättern Schlagworte zu lesen wie "sharks will soon learn to associate humans with food and lead to attacks against family and loved ones " (... die Haie werden bald mal Menschen mit Nahrung in Verbindung bringen und es wird zu Angriffen gegen Familienmitglieder und andere geliebte Menschen kommen). Oder: " dont let your child or family become the first victim " (... lass dein Kind oder deine Familie nicht die ersten Opfer werden). Obwohl in den letzten Jahren viel Aufklärungsarbeit hinsichtlich der übertriebenen Darstellung der Gefahr, die von Haien droht, unternommen wurde, gab es doch vereinzelt Wissenschafter, die sich der Initiative anschlossen und mithalfen, das alte Bild wieder aufleben zu lassen.

Hauptproblem in der Argumentation der Gegner des Haifütterns

Die erste öffentliche Anhörung, die im Februar dieses Jahres in Ft. Lauderdale stattfand, war mit Emotionen geladen und die Gegner liessen keinen Fall unerwähnt, bei dem Tiere aufgrund von Fütterungen später Menschen angriffen. Das Hauptproblem in deren Argumentation lag aber darin, dass die zitierten Fälle, welche die Kettenreaktion unterstreichen sollten, nicht von Fütterungen mit Haien stammten, sondern von Muränen, Alligatoren und Bären. Es ist sehr fragwürdig, ohne entsprechende Untersuchungen, von einer Tiergruppe auf die andere zu schliessen, nur weil es sich um Futter und wilde Tiere handelt. Unfälle mit Haien bei Fütterungen sind sehr selten und stehen in keinem Verhältnis zur Zahl der Unfälle mit den erwähnten anderen Tiergruppen. Während der Anhörung waren die Initianten nicht in der Lage auch nur einen einzigen Fütterungsunfall mit Haien zu präsentieren.

Haie wissen nicht, was Menschen sind, und behandeln diese entsprechend als unbekannte Objekte. Demzufolge könnte, selbst wenn Haie gefüttert würden, nicht der Schluss gezogen werden, dass ein Hai beim nächsten Zusammentreffen mit einem Menschen diesen mit der Fütterung assoziiert.

Zwar ist es richtig, dass Florida pro Jahr mehr Haiunfälle verzeichnet als irgendein anderer Ort auf dieser Welt, doch ist wohl keiner dieser Unfälle auf Fütterungsaktivitäten zurückzuführen. Nicht einmal von den Gegnern als Experten hinzugezogene Wissenschafter, die versuchten, eine solche Idee zu unterstreichen, konnten Argumente der Befürworter von Fütterungen überzeugend aus dem Weg räumen.

Eine zweite Versammlung zur Abschaffung von Fütterungen wurde einige Monate später in der floridianischen Landeshauptstadt Tallahassee abgehalten. Auch hier waren Vertreter des professionellen Tauchsports, Sportfischer und Wissenschafter vertreten, die ihre Argumente ein weiteres Mal der Kommission vortrugen. Auch bei diesem Treffen konnte keine überzeugende Basis für eine Akzeptierung des Verbots erarbeitet werden.

Die letzte und entscheidende Anhörung fand dann am 8. September statt, bei der die Initiative gegen Haifütterungen klar mit neun zu null Stimmen abgelehnt wurde.

Gleichzeitig wurde jedoch den Unternehmen, die ein kommerzielles Interesse an Haifütterungen haben, aufgetragen, eine Vereinigung zu gründen, die verbindliche Richtlinien für solche Fütterungen ausarbeiten muss. Inwieweit die Einhaltung dieser Richtlinien jedoch kontrolliert werden kann, wird sich zeigen. Zu diesem Zweck wurde kurz danach die GIMEC (Global Interactive Marine Experiences Council) gegründet, der Parteien aus verschiedenen Interessensgruppen angehören und die als Beratungsstelle fungieren soll. Diese Beratungsstelle, zu der auch der in Florida lebende Schweizer und wissenschaftliche Beirat der Hai-Stiftung, Dr. Erich Ritter, hinzugezogen wurde, wird in den nächsten Monaten Richtlinien zu Haifütterungen ausarbeiten, die für alle Anbieter in Florida verbindlich sein werden.

Schulischer Wert interaktiven Haitauchens

Das interaktive Tauchen mit Haien hat eine rund 30 Jahre alte Geschichte. Die Bahamas, die führende Nation dieser Form der Tauchausflüge, besitzt rund 30 solcher Tauchbasen. Unfälle sind nur von Tauchlehrern bekannt, die Köder falsch angeboten haben, jedoch keine mit den eigentlichen Sporttauchern. Weltweit reichen die Orte, die unterschiedliche Formen von Haitauchen anbieten, weit über hundert. Es ist unbestritten, dass richtig durchgeführte Haitauchgänge einen enormen schulischen und psychologischen Effekt haben. Nicht nur für Haie, auch für andere Tiergruppen ist es notwendig, Aufklärungsarbeit zu leisten, um Vorurteile abzubauen. Nur ein tieferes Verständnis der biologischen Zusammenhänge und der Tiere selbst kann verhindern, dass bedrohte Tiergruppen nicht aufgrund von Unwissenheit dezimiert oder gar eliminiert werden.

Konditionierung

Konditionierung ist ein experimentelles Training, das eine bestimmte Verhaltensweise aufgrund bestimmter Situationen oder Reize auslöst. Dabei wird generell zwischen klassischem und operandem Konditionieren unterschieden. Beim ersten wird beispielsweise einem Tier Futter angeboten und gleichzeitig ertönt ein Gong. Nach mehrmaligem Wiederholen reicht alleine der Gong aus, damit das Tier in Erwartung auf Futter erscheint.

Beim zweiten muss das Tier etwas tun, um Futter zu erhalten. Ein Beispiel wäre ein Apparat mit mehreren Schaltern, der Futter in den Käfig fallen lässt, wenn ein Versuchstier einen bestimmten Schalter bewegt. Zuerst drückt das Tier zufällig auf die verschiedenen Schalter. Nach einiger Zeit wird es aber gelernt haben, dass es, wenn es auf den richtigen drückt, Futter bekommt.

* Richard Finkus ist Shark Research Koordinator beim Tauchverband PADI.

Veröffentlichung nur mit Quellenangabe: Shark Info / Richard Finkus



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modifiziert: 04.06.2016 10:48